Gießen behindert – oder nicht?

Alle reden von Inklusion. Die Kommunalpolitiker beschließen Behindertenbeiräte. Das hessische Schulgesetz wird damit konfrontiert. Die LehrerInnen beschweren sich, weil sie damit nicht zu recht kommen. Oder nicht mit den Rahmenbedingungen.

Und sonst? In Gießen findet 2014 eine Landesgartenschau statt. Protest hin  oder her oder zurück. Und es gab die Aussage, dass die Schau an sich barrierefrei sei. Überprüft wurde das noch nicht. Aber klar ist auf jeden Fall, dass Gießen entweder gar keine oder nahezu keine barrierefreien Hotelbetten hat. Falls es welche gibt, halten sie sich gut unter Verschluss, man kann sie zumindest nicht entdecken. In der Hotelliste des Tourismusbüros stehen solche schöne Worte drin wie “barrierearm” oder “behindertenfreundlich”. Die größte Sauerei ist dann meines Erachtens, wenn ein Hotel mit “barrierefrei” wirbt, es dann faktisch aber wenn überhaupt “barrierearm” ist. Gestaunt hab ich dann aber über das Hotel, was am Telefon erklärt hatte, dass die Türbreite auf jeden Fall größer als 75 cm wäre. Nachgemessen wurden dann 60 cm. Wer sich dann also auf die Auskunft verlässt, hätte verloren.

Und dann gibt es noch das seltsame Blindenleitsystem in der Stadt. Die Markierungen auf dem Boden hören ab und zu einfach mal direkt an der Hauswand auf, festgestellt im Seltersweg. Nichts gegen verkaufsfördernde Werbung, aber das geht dann doch etwas zu weit, wenn man an die Hauswand von Seltersweggeschäften geführt wird. Ohne dass dort ein Eingang wäre.

Dann noch ein paar einfache Fragen:

- gibt es in Gießen inklusive Wohngemeinschaften, wo Menschen mit und ohne Behinderung barrierefrei wohnen können?

- warum gibt es in Gießen bzw. dem Landkreis keine ausgewiesene Statistik für arbeitlose / arbeitssuchende Menschen mit Behinderung?

- warum gibt es in Gießen sehr viele Arztpraxen, die nicht barrierefrei sind. und warum gibt es dazu keine wahrnehmbaren Änderungsbestrebungen?

- wie soll ein ehrenamtlich besetzter Behindertenbeirat einen kommunalen Aktionsplan ausarbeiten, ohne dafür die notwendige Zuarbeit gesichert zu haben

- wieso schlagen die meisten Sachbearbieter bei Arbeitsagentur, Landkreis oder Rentenversicherung (bzw. Servicestelle Reha) die Hände über den Kopf zusammen, wenn sie nur das Wort “persönliches Budget”  hören. wieso werden anträge nicht gesetzeskonform angenommen, wenn in ihnen das persönliche Budget beantragt wird?

- wieso erklärt ein verantwortlicher Kreispolitiker, dass es nicht notwendig wäre, dass es das Zentrum gebe, dass doch schon alles in Gießen vorhanden wäre, was für Menschen mit Behinderung notwendig erscheine. inklusive der Frage, wieso Selbstvertretung heute immer noch begründet werden muss.

Antworten: selten bis nie

Bemühungen: nicht sichtbar.

Nein, satt und sauber reicht halt nicht mehr.

 

 

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